ETFs  ·  Grundlagen

Unterschiede Thesaurierend und Ausschüttend: Die richtige ETF-Entscheidung treffen

Welcher ETF-Typ passt zu dir – und ist die Frage überhaupt die entscheidende? Eine ehrliche Einordnung.

Auf dieser Seite
  • Was thesaurierend und ausschüttend bedeutet
  • Welche Variante wann sinnvoller ist
  • Was ETF-Anleger häufig übersehen
  • Depot-Rechner: Wie viel brauchst du wirklich?
Grundlagen

Was bedeuten thesaurierend und ausschüttend?

Thesaurierende und ausschüttende ETFs unterscheiden sich darin, was mit den Erträgen des Fonds passiert.

Der Unterschied liegt nicht in der Rendite des Fonds selbst, sondern in der Verwendung der erwirtschafteten Erträge.

Thesaurierend

Automatisch reinvestiert

  • Dividenden und Zinsen bleiben im Fonds
  • Fondswert steigt kontinuierlich
  • Kein Geldfluss auf das Konto
  • Voller Zinseszinseffekt
  • Ideal für die Ansparphase
Ausschüttend

Regelmäßig ausgezahlt

  • Erträge landen auf dem Depot-Konto
  • Meist quartalsweise oder jährlich
  • Geldfluss ist sichtbar und planbar
  • Zinseszins nur bei manueller Reinvestition
  • Ideal für die Entnahmephase
Direkter Vergleich

Thesaurierend vs. ausschüttend: Der direkte Vergleich

Infografik: Thesaurierender ETF (Kreislauf der Reinvestition) vs. Ausschüttender ETF (Geldfluss auf das Konto)
Links: Kreislauf der Reinvestition bei thesaurierenden ETFs · Rechts: Regelmäßiger Geldfluss auf das Konto bei ausschüttenden ETFs
Merkmal Thesaurierend Ausschüttend
Erträge Werden automatisch reinvestiert Werden regelmäßig ausgezahlt
Geldfluss auf das Konto Keiner Ja, regelmäßig
Zinseszinseffekt Vollständig genutzt Teilweise – nur wenn manuell reinvestiert
Geeignet für Langfristigen Vermögensaufbau Regelmäßiges Einkommen / Entnahmephase
Steuerliche Behandlung (DE) Vorabpauschale jährlich Abgeltungssteuer auf Ausschüttungen
Aufwand Gering Gering, ggf. manuelle Reinvestition
Entscheidungshilfe

Wann ist welche Variante sinnvoller?

Thesaurierend: Besser für den Vermögensaufbau

Ein thesaurierender ETF ist dann sinnvoller, wenn das Ziel der langfristige Aufbau von Vermögen ist und das Geld nicht regelmäßig benötigt wird. Der Zinseszinseffekt wirkt stärker, wenn Erträge sofort und automatisch reinvestiert werden. Für Anleger in der Ansparphase ist die thesaurierende Variante daher in den meisten Fällen die einfachere Wahl.

Ausschüttend: Besser für regelmäßiges Einkommen

Ein ausschüttender ETF ist dann sinnvoller, wenn regelmäßige Auszahlungen gewünscht oder notwendig sind. Das ist typischerweise der Fall bei:

  • Anlegern in der Entnahmephase (z. B. im Ruhestand)
  • Menschen, die ein regelmäßiges Zusatzeinkommen aus dem Depot beziehen möchten
  • Anlegern, die aus psychologischen Gründen sichtbare Erträge bevorzugen

Wichtig: Ein ausschüttender ETF zahlt Geld aus – unabhängig davon, ob der Kurs gestiegen oder gefallen ist. Die Ausschüttung kommt aus dem Fondsvermögen: Der Kurs sinkt um den ausgeschütteten Betrag. Netto passiert zunächst nichts – außer einer Steuerpflicht auf die Ausschüttung.

Steuerliche Aspekte

Was ist mit Steuern zu beachten?

Thesaurierende ETFs unterliegen in Deutschland der sogenannten Vorabpauschale. Diese wird jedes Jahr am Jahresanfang fällig – auch wenn keine Ausschüttung stattgefunden hat. Die Vorabpauschale ist jedoch in der Regel deutlich geringer als die tatsächliche Rendite des Fonds.

Ausschüttende ETFs lösen direkt Abgeltungssteuer aus – auf jeden ausgeschütteten Betrag, sobald der Sparerpauschbetrag (1.000 Euro / 2.000 Euro für Verheiratete, Stand 2024) ausgeschöpft ist.

Für langfristige Anleger in der Ansparphase kann die Steuerverschiebung bei thesaurierenden ETFs vorteilhaft sein. Für Anleger, die den Sparerpauschbetrag noch nicht ausgeschöpft haben, kann die ausschüttende Variante Vorteile bieten.

Hinweis: Die steuerliche Behandlung hängt von der individuellen Situation ab. Für konkrete steuerliche Fragen sollte ein Steuerberater hinzugezogen werden.

Interaktiv

Wie viel Depot brauchst du für X Euro monatlich?

Dieser Rechner zeigt dir, wie groß dein ETF-Depot sein müsste, um ein bestimmtes monatliches Einkommen aus Ausschüttungen zu erzielen – und welche Alternative die Covered Call Strategie bietet.

Depot-Rechner: Monatliches Einkommen aus ETF-Ausschüttungen
Passe die Werte an und sieh sofort das Ergebnis.
1.000 €
2,5 %
Benötigtes Depot (ETF)
480.000 €
Bei 2,5 % Ausschüttungsrendite
Benötigtes Depot (Covered Call bei 20 %/Jahr)
60.000 €
Rein rechnerisch, ohne Garantie
Vereinfachte Beispielrechnung. Keine Steuer-, Gebühren- oder Kursveränderungen eingerechnet. Stellt keine Anlageberatung dar.
Einordnung von Claus Weibrecht

Was ETF-Anleger häufig übersehen

Die Frage „thesaurierend oder ausschüttend" ist eine sinnvolle Frage – aber sie beantwortet nicht das eigentliche Problem vieler ETF-Anleger.

Claus Weibrecht beschreibt das Problem in seinem Buch „Die Kunst des Optionshandels" so:

„Steigen die Kurse, steigt auch der Depotwert. Um etwas von diesem Kursanstieg zu haben, muss man nun einen Teil der Aktien, ETFs oder Fonds verkaufen. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt? Das weiß niemand!"

— Claus Weibrecht, „Die Kunst des Optionshandels"

Das trifft auf thesaurierende wie auch auf ausschüttende ETFs gleichermaßen zu: Der Fondswert schwankt. Ausschüttungen sind nicht planbar – sie hängen von den Dividenden der enthaltenen Unternehmen ab. Im Unterschied zu einem aktiv gesteuerten Einkommensansatz entscheidet der Anleger beim ETF nicht selbst, wann und wie viel fließt.

ETFs als Grundlage

ETFs als Grundlage – Optionen als aktives Einkommenswerkzeug

ETFs – ob thesaurierend oder ausschüttend – eignen sich gut als Basisinvestment für den Vermögensaufbau. Die durchschnittliche Rendite eines breit gestreuten MSCI-World-ETFs lag bei einer Anlagedauer von 15 Jahren im Zeitraum 1975 bis 2019 bei rund 7,9 Prozent pro Jahr (Quelle: Finanztip).

Wer jedoch ein regelmäßiges, planbares Einkommen aus seinem Depot erzielen möchte, stößt mit einem reinen ETF-Investment an Grenzen.

Vergleich: ETF-Depot mit unregelmäßigen Schwankungen vs. Covered Call Strategie mit wöchentlichem Prämieneingang
Links: ETF-Depot mit unregelmäßigen Kurs- und Ausschüttungsschwankungen · Rechts: Covered Call Strategie mit wöchentlichem Prämieneingang
ETF-Ausschüttung

Passiv, aber schwankend

  • Ausschüttung abhängig von Unternehmensdividenden
  • Kein Einfluss auf Höhe und Zeitpunkt
  • Für planbare Einnahmen zu unregelmäßig
  • Kurs schwankt mit dem Markt
Covered Call Strategie

Aktiv, regelmäßig, planbar

  • Wöchentliche Prämieneinnahmen
  • Funktioniert auch bei seitwärts oder leicht fallenden Kursen
  • Anleger steuert selbst wann und wie viel
  • Planbarer Cashflow statt Ausschüttungs-Zufall

„Wenn ich statt einer Verzinsung von 5 Prozent vielleicht sogar 20 Prozent pro Jahr erreichen könnte, dann würde ich nicht mehr 2.000.000 Euro, sondern nur noch 500.000 Euro benötigen."

— Claus Weibrecht, „Die Kunst des Optionshandels"
Kombination

Ist ein ETF-Investment für die Covered Call Strategie geeignet?

Ja. ETFs können als Basiswert für den Optionshandel genutzt werden. Wer einen Covered Call auf einen ETF verkauft, besitzt den ETF und nimmt gleichzeitig eine wöchentliche Optionsprämie ein.

Das kombiniert zwei Einkommensströme:

  • Die eventuelle Kursrendite des ETFs (thesaurierend oder ausschüttend)
  • Die regelmäßige Optionsprämie aus dem Verkauf von Call-Optionen
7,9 %
Ø Jahresrendite
MSCI World (15 Jahre)
2–3 %
Typische Ausschüttungs­rendite
ausschüttender ETFs
bis 20 %
Mögliche Prämienrendite
Covered Call Strategie*

* Rein rechnerisches Beispiel. Keine Garantie. Vergangene Ergebnisse sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Allerdings sind die Optionsprämien bei ETFs in der Regel geringer als bei Einzelaktien, da ETFs durch ihre Diversifikation eine geringere Volatilität aufweisen. Niedrigere Volatilität bedeutet niedrigere Prämien – ein wichtiger Aspekt bei der Wahl des Basiswerts.

Häufige Fragen

FAQs: Thesaurierend und ausschüttend

Es gibt keine generelle Antwort. Für langfristigen Vermögensaufbau ohne laufenden Einkommensbedarf ist thesaurierend meist einfacher und effektiver. Wer regelmäßige Auszahlungen braucht oder möchte, greift zur ausschüttenden Variante.
Nein. Thesaurierende ETFs unterliegen der Vorabpauschale, die jedes Jahr fällig wird. Die Steuer wird vom Broker automatisch abgeführt, sofern ausreichend Liquidität auf dem Verrechnungskonto vorhanden ist.
Langfristig kann der Unterschied durch den Zinseszinseffekt relevant sein – allerdings hängt das von der Haltedauer, dem Steuersatz und dem individuellen Cashflow-Bedarf ab. Renditeunterschiede entstehen weniger durch den ETF-Typ selbst als durch die Wiederanlage der Erträge.
Nur dann, wenn das Depot groß genug ist. Bei einer durchschnittlichen Ausschüttungsrendite von 2–3 Prozent pro Jahr braucht man für ein monatliches Zusatzeinkommen von 1.000 Euro ein Depot von ca. 400.000 bis 600.000 Euro. Wer dieses Ziel schneller erreichen möchte, sollte auch aktive Einkommensstrategien wie die Covered Call Strategie in Betracht ziehen.
Ein ausschüttender ETF schüttet die Dividenden der enthaltenen Unternehmen weiter. Eine gezielte Dividendenstrategie wählt bewusst Unternehmen mit hoher und steigender Dividendenrendite aus. Beide Ansätze zielen auf laufende Einnahmen – der ETF streut breiter, die Einzelaktien-Strategie ermöglicht mehr Kontrolle.
Für den Optionshandel ist es weniger entscheidend, ob der ETF thesaurierend oder ausschüttend ist. Wichtiger ist, dass der ETF liquide handelbare Optionen hat und eine ausreichende Volatilität aufweist, um relevante Prämien einzunehmen.
Fazit

Die ETF-Entscheidung im größeren Kontext sehen

Thesaurierend oder ausschüttend – das ist eine sinnvolle Frage beim ETF-Kauf. Aber sie ist kleiner als die eigentliche Frage: Wie soll das Depot langfristig Einkommen erzeugen? ETFs sind ein solides Fundament. Wer darüber hinaus regelmäßige, planbare Einnahmen möchte, findet in der Covered Call Strategie einen Ansatz, der genau das ermöglicht – wöchentlich, regelbasiert und mit vergleichsweise geringem Zeitaufwand.

Claus Weibrechts Ziel: Finanziell frei werden mit weniger als einer Stunde pro Woche.

Risikohinweis: Der Handel mit Optionen und ETFs ist mit Risiken verbunden. Ein Verlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Die Inhalte dieser Seite stellen keine Anlageberatung dar.