Optionen · Grundlagen
Optionsgriechen erklärt: Delta, Theta, Vega & Co.
Auf dieser Seite erfährst du, was die Optionsgriechen sind, welche Kennzahlen es gibt und wie sie den Preis einer Option beeinflussen.
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Definition
Was sind die Optionsgriechen?
Die Optionsgriechen sind Kennzahlen, die beschreiben, wie sich der Preis einer Option verändert, wenn sich bestimmte Faktoren am Markt ändern. Jede dieser Kennzahlen trägt den Namen eines griechischen Buchstabens – daher der Begriff „Griechen" oder englisch „Greeks".
Es gibt sechs Optionsgriechen:
„Die Parameter von Optionen befinden sich in einem ständigen Wandel und sind keineswegs als fixe Werte zu verstehen. Sie sind vielmehr ein Schnappschuss des Augenblicks und helfen uns, die aktuelle Situation einzuschätzen und unseren Trade durchzuführen."
– Claus Weibrecht, Die Kunst des OptionshandelsAlle sechs Griechen verändern ihren Wert während der Börsenzeiten laufend – genau wie der Kurs der zugrundeliegenden Aktie. Wer Optionen handelt, muss diese Kennzahlen kennen und verstehen, um fundierte Handelsentscheidungen zu treffen.
Optionsgriechischer #1
Delta – Die wichtigste Kennzahl im Optionshandel
Das Delta ist für die meisten Optionshändler die bedeutsamste Kennzahl. Es zeigt drei Dinge gleichzeitig:
- Wahrscheinlichkeit: Das Delta gibt an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Kurs des Basiswerts am Ende der Laufzeit über dem Strike-Preis der Call-Option liegt.
- Preisänderung: Das Delta zeigt, um wie viel Dollar der Optionspreis steigt oder fällt, wenn der Basiswert um einen Dollar steigt oder fällt.
- Berührungswahrscheinlichkeit: Das Doppelte des Deltas (2 × Δ) entspricht der Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs während der Laufzeit mindestens einmal auf oder über dem Strike-Preis liegt.
Das Delta liegt bei Call-Optionen zwischen 0 und 1. Ein Delta von 0,20 bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs am Laufzeitende über dem Strike-Preis liegt, beträgt 20 Prozent.
Beispiel: Microsoft-Call-Option
Eine Microsoft-Call-Option mit Strike 320 kostet bei einem Aktienkurs von 300 genau 1,20 Dollar. Das Delta beträgt 0,20. Steigt der Aktienkurs um einen Dollar auf 301, steigt der Optionspreis um das Delta: von 1,20 auf 1,40 Dollar.
| Aktienkurs MSFT | Preis der Option | Delta |
|---|---|---|
| 299 $ | 1,00 $ | 0,18 |
| 300 $ (Ausgangspunkt) | 1,20 $ | 0,20 |
| 301 $ | 1,40 $ | 0,21 |
| 302 $ | 1,61 $ | 0,23 |
Das Delta ist keine feste Zahl. Es verändert sich, sobald sich der Kurs des Basiswerts bewegt.
Optionsgriechischer #2
Gamma – Wie schnell verändert sich das Delta?
Das Gamma gibt an, um wie viel sich das Delta verändert, wenn der Kurs des Basiswerts um einen Dollar steigt oder fällt. Es ist damit die zweite Ableitung des Optionspreises nach dem Kurs des Basiswerts.
Beispiel
Liegt das Delta bei 0,20 und das Gamma bei 0,01, verändert sich das Delta auf 0,21, wenn der Aktienkurs um einen Dollar steigt.
| Aktienkurs | Optionspreis | Delta | Gamma |
|---|---|---|---|
| 300 $ | 1,20 $ | 0,20 | 0,01 |
| 301 $ | 1,40 $ | 0,21 | 0,02 |
| 302 $ | 1,61 $ | 0,23 | 0,02 |
Wichtig: Bei kurzlaufenden Optionen ist das Gamma höher als bei langlaufenden Optionen. Das bedeutet: Bei kurzen Laufzeiten reagiert das Delta stärker auf Kursbewegungen des Basiswerts.
Optionsgriechischer #3
Theta – Was der Zeitablauf mit dem Optionspreis macht
Das Theta zeigt, wie stark der Preis einer Option pro Tag sinkt, wenn alle anderen Parameter gleich bleiben. Es beschreibt den sogenannten Zeitwertverfall.
Ein Theta von 0,25 bedeutet: Die Option verliert jeden Tag 0,25 Dollar an Wert – vorausgesetzt, Kurs und Volatilität bleiben konstant.
| Restlaufzeit | Optionswert | Theta |
|---|---|---|
| 5 Tage | 1,20 $ | –0,15 |
| 4 Tage | 1,05 $ | –0,18 |
| 3 Tage | 0,87 $ | –0,20 |
Zwei wichtige Eigenschaften des Theta:
- Das Theta steigt, je näher der Ablauftag rückt. Der Zeitwertverfall beschleunigt sich also kurz vor dem Verfallsdatum.
- Der Zeitwert einer Option beträgt am Ablauftag immer null – unabhängig aller anderen Faktoren.
Für Optionsverkäufer: Das Theta arbeitet zugunsten des Verkäufers. Wer eine Option verkauft, profitiert vom täglichen Zeitwertverfall. Der Käufer der Option verliert jeden Tag automatisch Wert – der Verkäufer gewinnt ihn.
Optionsgriechischer #4
Vega – Der Einfluss der impliziten Volatilität auf Optionspreise
Das Vega gibt an, wie stark sich der Optionspreis verändert, wenn die implizite Volatilität des Basiswerts um einen Prozentpunkt steigt oder fällt.
Ein Vega von 4,00 bedeutet: Steigt die implizite Volatilität um 1 Prozent, steigt der Optionspreis um 4,00 Dollar. Fällt die Volatilität um 1 Prozent, sinkt der Optionspreis entsprechend.
Was ist implizite Volatilität?
Volatilität beschreibt das Ausmaß der Schwankung eines Aktienkurses. Es gibt zwei Arten:
- Historische Volatilität: Berechnet aus den tatsächlichen Kursschwankungen der Vergangenheit.
- Implizite Volatilität: Eine zukunftsgerichtete Kennzahl, die aus den aktuellen Optionspreisen abgeleitet wird. Sie gibt an, welche Schwankung der Markt für die Zukunft erwartet. Das Vega bezieht sich auf die implizite Volatilität.
Wann steigt die implizite Volatilität?
Die implizite Volatilität steigt vor allem dann, wenn Unsicherheit am Markt zunimmt – zum Beispiel kurz vor der Veröffentlichung von Quartalszahlen. Steigt die implizite Volatilität, steigen auch die Optionspreise.
Für Optionsverkäufer ist eine erhöhte implizite Volatilität deshalb ein günstiger Zeitpunkt: Sie können für die verkaufte Option eine höhere Prämie einnehmen. Wie die Wheel Strategie diesen Effekt systematisch nutzt, erfährst du auf der verlinkten Seite.
Optionsgriechen #5 & #6
Rho und Omega – Die zwei weniger relevanten Griechen
Rho – Der Einfluss des Zinssatzes
Das Rho beschreibt die Veränderung des Optionspreises in Abhängigkeit vom risikofreien Zinssatz am Markt. Steigt der risikofreie Zinssatz, steigt auch der Preis von Call-Optionen.
Für den aktiven Optionshandel spielt Rho in der Praxis eine untergeordnete Rolle. Zinsänderungen sind selten und entfalten ihre Wirkung über einen längeren Zeitraum. Der Einfluss auf den einzelnen Trade ist gering.
Omega – Die prozentuale Kursabhängigkeit
Das Omega ähnelt dem Delta. Während das Delta angibt, wie stark sich der Optionspreis ändert, wenn der Basiswert um einen Dollar steigt, gibt Omega an, wie stark sich der Optionspreis ändert, wenn der Basiswert um einen Prozent steigt.
- Positives Omega: Der Optionspreis steigt, wenn der Basiswert um 1 Prozent steigt.
- Negatives Omega: Meist bei Put-Optionen zu beobachten. Ein Kursanstieg des Basiswerts lässt den Optionspreis sinken.
Omega ist für den praktischen Handel mit Covered Calls und der Poor Man's Covered Call Strategie nicht relevant und wird daher dort nicht aktiv verwendet.
Überblick
Alle sechs Optionsgriechen auf einen Blick
| Symbol | Griechischer Parameter | Was er misst | Relevant für aktiven Handel? |
|---|---|---|---|
| Δ | Delta | Wahrscheinlichkeit & Preisänderung bei Kursbewegung | Ja – sehr wichtig |
| Γ | Gamma | Änderung des Deltas bei Kursbewegung | Ja – als Hintergrundwissen |
| Θ | Theta | Täglicher Zeitwertverfall | Ja – sehr wichtig |
| V | Vega | Preisänderung bei Volatilitätsänderung | Ja – wichtig |
| ρ | Rho | Preisänderung bei Zinsänderung | Nein – kaum relevant |
| Ω | Omega | Prozentuale Preisänderung bei Kursbewegung | Nein – kaum relevant |
Praxis
Welche Optionsgriechen sind für den Handel am wichtigsten?
Nicht alle sechs Griechen sind für den praktischen Optionshandel gleich relevant. Für Strategien wie die Covered Call Strategie oder die Poor Man's Covered Call Strategie stehen drei Kennzahlen im Mittelpunkt: Delta, Theta und Vega.
„Für unseren Handel mit der Covered Call Strategie sind vor allem die drei Kennzahlen Delta, Theta und Vega interessant."
– Claus Weibrecht, Die Kunst des OptionshandelsGamma, Rho und Omega sind für das grundlegende Verständnis hilfreich, beeinflussen den konkreten Handelsentscheid aber deutlich weniger.
Die Optionsgriechen im praktischen Einsatz verstehen
Claus Weibrecht erklärt in seinem Buch und Seminar, wie Delta, Theta und Vega konkret im Optionshandel genutzt werden – mit Beispielen aus der Praxis.
Zusammenhang
Optionsgriechen und Optionsstrategien – wie hängt das zusammen?
Die Optionsgriechen sind kein reines Theoriekonstrukt. Sie sind das Werkzeug, das Optionshändler nutzen, um ihre Trades zu steuern und zu bewerten. Wer versteht, was Delta, Theta und Vega aussagen, kann:
- Die Wahrscheinlichkeit eines Trades einschätzen
- Den täglichen Zeitwertverfall aktiv nutzen
- Hochvolatile Phasen gezielt für höhere Prämieneinnahmen nutzen
- Das Risiko der eigenen Position besser beurteilen
Das ist die Grundlage für alle prämienbasierten Optionsstrategien – von der Covered Call Strategie bis hin zu komplexeren Ansätzen wie dem Bull Put Spread oder dem Iron Condor.
Ohne ein Verständnis der Optionsgriechen fehlt die Kontrolle über die eigene Position. Das gilt unabhängig davon, welche Strategie man einsetzt.
Häufige Fragen
FAQs zu den Optionsgriechen
Fazit
Optionsgriechen als Fundament des Optionshandels
Die Optionsgriechen sind das Handwerkzeug jedes Optionshändlers. Sie machen Optionspreise messbar, erklärbar und steuerbar. Wer Delta, Theta und Vega versteht, kann seinen Handel auf einer klaren, nachvollziehbaren Grundlage aufbauen – statt auf Bauchgefühl.
Wenn du verstehen möchtest, wie Claus Weibrecht diese Kennzahlen in der Praxis einsetzt, findest du die vollständigen Grundlagen in seinem Buch und im Seminar.
Risikohinweis: Der Handel mit Optionen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Die Inhalte dieser Seite stellen keine Anlageberatung dar.